1. Tempo ist alles
In wenigen Sekunden ist ein Handballfeld durchquert – da bleibt nicht viel Zeit zum Durchschnaufen oder „den Gegner erst mal kommen lassen“. Zeit schinden durch Querpässe an der Mittellinie – siehe Fußball – wird vom Schiedsrichter bestraft und funktioniert nicht. Darum fällt auch durchschnittlich alle 65 Sekunden ein Tor.
2. Tempo ist nichts
Handball ist ein Kopfsport. Den Lothar Matthäus des Handballs – zwar begnadet, aber ... – hat es bisher noch nicht gegeben. Gute Handballer brauchen Intelligenz noch dringender als Tempo und Kondition. Etwas fragwürdig in Sachen Kopf ist allerdings der Geisteszustand der Torhüter. Wer sich über 100 Stundenkilometer schnellen Bällen kamikaze-artig entgegenwirft – der muss schon ein wenig durchgeknallt sein.
3. Die schwierigste Übung
ist: der Pass. Der unspektakuläre, präzise Pass, der blind zum Ziel findet, zum Kreisspieler beispielsweise. Das ist die hohe Kunst, auch wenn die akrobatischen Flugeinlagen und Kunstwürfe der Außenspieler schicker aussehen. Das Ziel jeder Mannschaft ist übrigens ein Spielzug namens „Kempa“. Dabei passen sich die Spieler den Ball jeweils im Sprung über dem gegnerischen Wurfkreis fliegend zu. Und der letzte macht das Tor.
4. Handball ist gleich Teamgeist
Das zeigt nicht nur der erwähnte Kempa-Trick, der nur bei perfektem Timing aller Beteiligten funktioniert. Die deutschen Fast-Olympiasieger von 2004 sind das beste Beispiel dafür: Jahrelang haben sie zusammen gespielt, bis sie Weltklasse waren. Einzelne Makaays kaufen hilft im Handball gar nichts.
5. Handball ist grundsympatisch
Handballer trainieren gerne, aber wesentlich lieber feiern sie sehr heftig. Große Vereine sind rührenderweise immer noch in Käffern wie Grosswallstadt oder Wallau-Massenheim verankert; richtig reich wird mit Handball immer noch keiner. Und: Es gibt Heiner Brand, den Mann mit den Schnauzbart, der definitiv noch sympathischer als Jürgen Klinsmann ist.
6. Handball ist spannender
Über angeblich knappe Fußball-Ergebnisse können Handballer nur müde lächeln, und bei den üblichen null bis drei Toren noch müder gähnen. Pro Handballspiel fallen 50 bis 60 Tore, trotzdem entscheiden sich Spitzenspiele regelmäßig erst in den hochdramatischen Schluss-Sekunden. Und damit sind wirklich Sekunden gemeint.
7. Der Schiedsrichter ist immer Schuld
Bei wenigen Sportarten hat der Schiedsrichter so viel zu tun wie beim Handball. Und weil die Schiedsrichter ständig pfeifen müssen, sind sie nicht nur zu zweit, sondern auch an allem Schuld. Ein großer Pluspunkt für den Fan: 60 Minuten lang gibt es durchgehend Gelegenheit, über die Schiedsrichter zu schimpfen: Ein befreiender Akt.
8. Jetzt sind wir durch mit den sieben Geheimnissen des Handballs
Diese sieben Geheimnisse gelten hauptsächlich dann, wenn die eigene Mannschaft super spielt. Beim Verlieren ist Handball plötzlich nur noch halb so spannend. Und halb so attraktiv. Die Trikots sind noch hässlicher als sonst. Überhaupt waren Handballer noch nie besonders gut aussehend. Nicht mal Italiener oder Südamerikaner gibt es, die das Schönheitsniveau heben könnten. Und jetzt fehlt auch noch Stefan Kretschmer in der Nationalmannschaft. Wer daraus schließt, dass Handball doch nicht die beste aller Sportarten ist, der hat natürlich nichts verstanden. Schließlich gilt in jedem Fall Geheimnis Nummer sieben: Schuld an allem Schlechten ist immer der Schiedsrichter.
Mit freundlicher Genehmigung:
Autorin: Bärbel Wossagk
Gesendet im Samstagsmagazin "orange" des Bayerischen Rundfunks am 22.01.2005