Lehrgang in Nürnberg
Noch im Dezember haben wir ein Seminar zum Thema "Selbstverteidigung unter erschwerten Bedingungen"mit Bundestrainer Andreas Weitzel abgehalten.
Mit Spannung haben wir dieses Seminar erwartet und gehofft, daß trotz der Vorweihnachtszeit mit all ihrer Hektik recht viele Teilnehmer kommen würden. Und in der Tat brachten wir es auf 17 Leute!
Um es kurz zu beschreiben, das Training war hoch interessant und lehrreich, nicht nur in Bezug auf das Thema selbst, sonder auch für das Basisverständnis von Systema. Die "erschwerten Bedingungen" (also z.B. mit dem Rücken an der Wand, zwischen Stühlen und Tischen, auf der Treppe, Messerbedrohung von Hinten, gefesselte Hände....) haben einen besonderen Trainingseffekt: zum Einen lernt man sich in unangenehmen Situationen effektiv zu wehren zum Anderen ist es ein weiterer Schritt die Psyche zu stärken und die Bewegungsprinzipien von Systema klarer zu erkennen.
Wir haben gelernt Hindernisse zu Hilfsmitteln zu machen und so die Angst vor der ungewohnten Situation verloren. Man könnte fast sagen die "Behinderung" wurde zum Vorteil und konnte mit großem Erfolg gegen den Angreifer eingesetzt werden. Wir haben viel gelernt und hatten zudem viel Freude beim Üben!
Fragen zu Systema
Da im vergangenen Jahr aus Eueren Reihen einige Fragen an uns gerichtet wurden, wie es bei uns so zugeht und ob diese wenig bekannte russische Kampfkunst nicht recht brutal wäre, möchte ich gerne etwas zu den ethischen Hintergründen von Systema berichten.
Im Systema vereinigt sich altrussische Kampfkunst mit jahrhunderte alten Erkenntnissen der russischen Heilkunde und der über 1000 - jährigen Tradition der Russisch Orthodoxen Kirche. Während die meisten bei uns bekannten Kampfkünste mit Lehren aus dem asiatischen Raum auf ihre Schüler einwirken, das Training z.B. in sog. "Dojos" (Ort, an dem der Weg geübt wird, gleichzeitig aber auch ein „heiliger Ort“) unter Verehrung fremdländischer Meister abgehalten wird und junge Menschen der eigenen Tradition häufig entfremdet werden, findet das Systematraining in ganz normalen Trainingsräumen statt. Es werden weder Ikonen noch Meister verehrt und niemand wird zu Ritualen angeleitet. Das Training ist grundsätzlich frei von weltanschaulichen Zwängen. Allerdings, und das scheint mir ein ganz wichtiger Aspekt, werden die bei uns traditionell verwurzelten christlichen Werte, wie Liebe zu allen Menschen, Respekt vor dem Mitmenschen, psychische Disziplin (d.h. Ausgeglichenheit, frei sein von Haß und Wut, Geduld haben, Freude empfinden) als Bestandteil des Trainings angesehen und praktiziert. Jeder, der sich über die Aspekte der Kampfkunst und Selbstverteidigung hinaus, mit weiterführenden Dingen beschäftigen will kann das aus eigenem Interesse heraus tun und wird gerne informiert.
Was ich Euch damit sagen will ist, daß Systema als europäische Kampfkunst eine geistige und spirituelle Tradition besitzt, die unserem Wertedenken und unserem kulturellen Hintergrund als christlich geprägte Menschen entspricht. Alles was Japan, China und andere Länder Asiens an Spiritualität im Zusammenhang mit Kampfkunst zu bieten haben, finden wir auch bei uns in Europa . Jeder, der sich eingehender damit befaßt, wird früher oder später erkennen, daß christliche Tradition und Kampfkunst von je her eng miteinander verknüpft sind. Systema ist eine dieser Kampfkünste. Eines der größten Ziele im Systema ist zu lernen Verantwortung zu tragen, für sich selbst und für seine Mitmenschen.